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Unsere Anglererlebnisse an den Gewässern von Rudi Heger im Chiemgau Bericht geschrieben von Hans Maier, Zell im Wiesental
Im Juni fischte ich mit meinen Vereinskollegen Andy, Dieter und Matthias sechs Tage an den Trauns von Rudi Heger im bayerischen Chiemgau. Untergebracht waren wir bei den Fischers (Petri Heil ist garantiert) im Ortsteil Hammer bei Siegsdorf. Nach Bezug unserer Zimmer gingen wir zum Hammerwirt, um uns nach dem Stress der Anreise zu stärken. Leider hieß es für Dieter, als er den Schweinebraten bestellte: “Schweinsbraten is aus“, ein Zwiebelrostbraten mundete jedoch genau so gut. Die abenteuerlichen Angel-Erlebnisse, die Dieter, Matthias und Andy von ihrem letzten Traun-Aufenthalt schilderten, sollten mich auf eine herrliche Fischerei einstimmen. Und so war ich richtig gespannt darauf, wie es sich an der Weißen, an der Deutschen und an der Roten Traun fischen würde. Dieter hatte alles hervorragend organisiert, so dass wir alle immer zusammen an derselben Traun unsere Leinen auswerfen konnten.
Am ersten Tag ging es nach einem reichhaltigen „Fischer z’ Morge“, aufgetischt von Familie Fischer, zunächst einmal zu Rudi Heger, um die bestellten Tageskarten abzuholen. Aber Dieter wollte mir vorher die dicken Brücken-Brocken unter der Siegsdorfer Brücke zeigen. Mit einem „Endlich wieder da“ und einem Tänzchen auf der Brücke begrüßte Dieter erst einmal freudig die Umstehenden und natürlich seine Freunde, die Traun-Traum-Forellen. Es blieb uns wie zu erwarten nichts anderes übrig, wir mussten ob des tollen Angebotes im Laden von Rudi Heger noch einige besonders fängige Fliegenmuster erstehen. Jetzt hieß es „Wohin zum Fis chen?“ Dieter, der seit 15 Jahren an seinen geliebten Trauns zum Fischen geht, meinte: „Leute, Ihr könnt gehen wohin Ihr wollt, ich habe noch eine Verabredung mit einer ganz großen Blonden (wir vermuten, eine Bachforelle) am Höpflinger Wehr. Um das nicht zu verpassen, schlossen wir uns Dieter an. Angekommen, rein in die Klamotten, Fliegenweste an, Rute zusammengeschraubt und los ging’s. Nach kurzem Fußmarsch - länger hätte ich es auch nicht ausgehalten - stand Dieter am Wehrgumpen und wartete fischenderweise auf seine Verabredung. Mit gebührendem Abstand postierte ich mich am Auslauf des Gumpens und hatte auch schon eine herrlich Gepunktete auf eine grüngelbe Wiesen-Sedge. Meine erste Bachforelle an der Weißen Traun mit stolzen 46 Zentimetern!
So konnte ich mit etwas langsamerem Puls weiterfischen. Matthias und Andy gingen auf Distanz ca. 100 Meter in Richtung Siegsdorf und legten ihre Leine in einem tiefen und längeren Gumpen (sprich: Pool) aufs Wasser. Die beiden fingen so im 10-Minuten-Takt eine nach der anderen der herrlichen Forellen , um sie schonend wieder in die Freiheit zu entlassen da sie nicht das erforderliche und genehmigte Entnahmemaß (30 – 39 cm) hatten, immer entweder zu klein oder zu groß, aber meistens zu groß waren. Also Fangen und Freilassen war angesagt. Etwas ungewöhnlich für mich; laut Rudi Heger wird der Fischbestand so jedoch am Besten geschützt und erhalten. Darüber, so dachte ich bei mir, könnte man auch für unsere Zeller Wiese nachdenken. Nach dem Mittagessen im „Edelweiß“ in Siegsdorf (stimmt tatsächlich: Schweinsbraten war aus!) fuhren wir ans Siegsdorfer Wehr, wo Andy noch eine Rechnung mit einer Regenbogen offen hat, die er im Jahr zuvor nach längerem Drill verloren geben musste. Nymphenfischen, und zwar „Deep Diving“, war hier in dem tiefen und schwarzen Wehrkolk angesagt. Wurf auf Wurf, ein Nymphenwechsel folgte dem anderen, bis zum 300sten Roll-Switch-Bogen-Fallschirm-Wurf. Nichts tat sich. So ging Andys Rechnung leider nicht auf. Die Regenbogen hatte ihn schon wieder vers etzt.
Was tun? Zurück ans Höpflinger Wehr. Dieter spürte irgendwie, dass seine Bekanntschaft vom letzten Jahr am Nachmittag eventuell doch geneigt war, sich mit ihm zu treffen. Also war Dieter nach der Ankunft gleich wieder an seinem Meeting-Point während Andy und Matthias an „ihrer“ Fließstrecke das Wasser peitschten. Na ja, denke ich und setze mich in der Nähe der Beiden in die Steine, um die schöne Weiße Traun auf mich wirken zu lassen. Da - was ist das dort am anderen Uferrand unter den herabhängenden Zweigen? Steinschatten oder Forelle? Schweißausbruch! Jetzt keine Hektik aufkommen lassen. Erst mal beobachten, ob sich da etwas bewegt, und die „Lage sichten“. Rechts oben fischt Dieter, links von mir fischen Andy und Matthias und geben sich ihren Fängen und Drills hin. Wie schon am Morgen „catchen und releasen“ sie abwechselnd eine Forelle nach der anderen. Aha - der Schatten bewegt sich um einige kaum wahrnehmbare Zentimeter nach vorn, schlürft irgendetwas ein - und schwimmt zurück unter die Zweige. Fliegenbüchse auf… doch welches Muster anknoten? Welche Größe, welche Farbe soll ich jetzt nehmen? Ich entscheide mich für die „Geflügelte Olive Dun“, die mir mein Enkel Klaus aus dem schier unerschöpflichen Vorrat seines „Balzerkastens“, den er von seinem Urgroßvater geschenkt bekam, für diesen Fliegenfischer-Urlaub mitgegeben hat. Ob die über 40 Jahre alte Fliege fängt und auch hält? Angebunden und dann der erste Wurf, ich murmle noch ein: „He Leute, da steht eine ganz Große“ in Richtung Matthias und Andy. „Ja, ja“ tönte es von den Beiden ungläubig zurück. Dieter hat nichts gehört. Er versucht mit allen Tricks seine letztjährige Bekanntschaft anzulocken. Meine Große reagiert auf die Fliege, die aber nicht genau in ihrer Drift gelandet ist. Zweiter Wurf - entweder Zweig oder Forelle. Ja, die Fliege setzt ein paar Zentimeter vor der Forelle auf, jetzt bloß keine Fehler machen. Und tatsächlich: Sie nimmt die „Enkel-Klaus-Fliege-….. ganz lässig ……mit all ihrer Erfahrung. Die Kiefer schließen sich, und ich hebe wie in Trance die Rute zu einem Anhieb leicht an. Fischkontakt! Die Große will zurück an ihren Stammplatz unter die schützenden Zweige - aber etwas scheint nicht in Ordnung und zieht an ihr. Nach heftiger Gegenwehr und noch bevor mein Handgelenk unter der Belastung dicker zu werden droht, gibt sie sich geschlagen und landet bei Andy im Kescher. Also ich habe an die 70 cm gemessen. Eine herrliche Regenbogen mit einem ausgeprägten Laichhaken und den typischen Farben. Nach dem Fotografieren durfte sie wieder in ihr Element zurück. Meine Freude über diesen schönen „Traumfisch“ war groß und ich fürs Erste so richtig zufrieden mit meinem Anglerglück. Die kamerdschaftlichen gutgemeinten Glückwünsche von Andy, Matthias und Dieter wie: „Die haben wir extra für Dich reserviert --- wollten wir Dir nicht vor der Nase wegfangen --- bis zu: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn --- nahm ich mit stiller Freude gerne entgegen. Wem gelingt es in den folgenden Tagen einen größeren „Traumfisch“ zu keschern?
Nach einem zünftigen Abendessen im Edelweiß (Schweinsbraten war aus!) ging es zurück in die Ferienwohnungen zum mitternächtlichen Fliegenbinden für den nächsten Tag an der Deutschen Traun. Gespannt und wieder hoch motiviert ob der zu erwartenden Riesenforellen und der Aussicht, endlich den von Dieter in den schönsten Farben geschilderten Lieblingsplatz - seine Panzerfurt - kennenlernen zu dürfen.
Der Blick von der Empfinger Brücke auf die dort stehenden Riesenforellen ist wirklich beeindruckend. Solche Forellen können nur unter größtmöglicher Schonung - wie bei dem von Rudi Heger praktizierten Catch und Release - zu diesen Formaten heranwachsen. Wieder hieß es, rein in die Wathosen, Ruten geladen und ans Wasser. Doch bei jedem noch so gezielten Wurf schwammen die Riesen etwas weiter weg von uns. Womit kann man diese Brocken zum Beißen verleiten??? Andy und Matthias sind unterhalb de s Viaduktes ins Wasser gestiegen und haben beim „Bachabfischen“ wunderschöne und gut genährte Bach- und Regenbogenforellen gefangen. Dabei waren auch Exemplare bis über 50 cm. Eine herrliche Fischerei, wie sie berichteten. Bis jetzt war aber noch keine von den angesagten Traun-Äschen mit dabei.
Mittags ging es dann endlich an Dieters geliebte Panzerfurt. Bei dem kurzen Fußmarsch waren Forellen in Längen so um die 80 Zentimeter unterhalb des Türkenfelsen zu sehen und meine Gerte zuckte wie eine Wünschelrute in Richtung der Deutschen Traun. Dieter meinte: Komm weiter , die sind unfangbar, wir versuchen es später. Und weiter ging es voran zu Dieters Lieblingsplatz. Endlich angekommen, hörte ich Dieter freudig ausrufen: „Hier will ich mal begraben sein!“. Ich sagte: „Da hast Du ja noch genug Zeit und kannst noch eine Ewigkeit Deine Leine hier aufs Wasser legen“. Ich muss aber zugeben, dass es wahrscheinlich nicht allzu viele Plätze gibt, von de nen man so wie Dieter träumen kann. Ein wirklich schöner Flussabschnitt der Deutschen Traun mit langen Fließstrecken, Rauschen und tiefen dunklen Gumpen. Dieter hatte ja hier auch ein Stell-Dich-Ein mit einer ausgestiegenen Kapitalen vom letzten Ausflug an die Traun-Gewässer. Leider hat sich das Techtelmechtel vom letzten Jahr nicht mehr daran erinnert und so fingen wir halt einige rotgetupfte und silberberückte Forellen mit selbst gebundenen „Yellow Sallys“, deren natürliche Schwestern an den Trauns zu Hauf vorkommen. Auf dem Rückweg schauten wir nochmals den ganz großen Forellen an der Empfinger Brücke zu, um die Taktiken für den darauffolgenden Tag festzulegen. Was nehmen sie, wie reagieren sie, welche Fliege kann die Richtige sein?
Abends, besser gesagt bis in den frühe n Morgen, haben wir beim Fliegenbinden und einem guten badischen Rotwein unsere weiteren Strategien festgelegt.
Mit Matthias ging es am zweiten Tag beim Viadukt in das glasklare Wasser der Deutschen Tr aun. Doppeldrills waren dabei an der Tagesordnung, genauso wie er es am Tag zuvor mit Andy erlebt hatte. Mit einer von ihm selbst erdachten und gebundenen Nymphe auf 14er Haken - einem Silberköpfchen, einer Wusselwicklung (wahrscheinlich aus Flusen vom Teppichboden ), einem Stück silbernen Blumenbindedraht sowie einer gehörigen Portion Überzeugung - fing er doch tatsächlich die erste Pracht-Äsche: 45 Zentimeter! Wie sich in den nächsten Tagen herausstellte, war diese seine Wunderwaffe unschlagbar. Dass er an der Roten Traun dann noch einmal eine dieser schönen Fahnenträgerinnen überlistete, sprach in der Tat für seine Nymphe, die wir inzwischen liebevoll auf den Namen „Rattegigl“(DG-Nymphe) getauft hatten. Da Matthias mit dieser Nymphe ständig was am Haken hatte, kam ich vor lauter: „Komm mach ein Bild von dieser Aesche…..von dieser pfundigen Forelle“ nicht so richtig zum Fischen. Allen Unkenrufen zum Trotz hat uns Matthias sehr erfolgreich bewiesen, dass es Äschen gibt in den Hegerschen Gewässern. Am zweiten Tag an der Weißen Traun standen wir zu viert am Morgen wieder mal auf der Siegsdorfer Brücke bei Hegers. Kommentare wie: „Diese Riesen kannst Du nicht fangen …sind spezielle Freun de von Rudi Heger…sind verwöhnt und zu schlau…“ ließen wir nicht gelten und verteilten uns unter und oberhalb der Brücke. Andy mit seiner ausgeprägten Wurftechnik hatte die erste schon am Haken. „57 Zentimeter pure Regenbogen-Energie“ rief er uns zu.
Matthias war gerade mal wieder am Handy, Dieter und ich hatten Fliegenfischer-Glück unterhalb des Kanalauslaufs in der starken Strömung. Bei einem kurzen La ndgang mit Pause hat uns Dieter seine
spezielle Brunnen-Technik („Kölner-Jecken-Technik“) vorgeführt. Bemerkenswert!
Am letzten Tag an der Roten Traun, in Teilstrecken vergleichbar mit unserer Wiese oberhalb Mambach, hat Matthias doch tatsächlich mit seiner „Spezial-Nymphe“ zwei der schönsten Äschen gefangen, beide über 40 cm.

Fazit: Sechs wunderschöne Fliegenfischertage waren viel zu schnell vorbei. Erholung und positiver Stress standen - aufgrund der nicht überlaufenen Traunstrecken, der guten bayerischen Küche und nicht zuletzt dank des anglerischenen Verständnisses untereinander - in wunderbarem Einklang. Die guten Gespräche beim spätabendlichen Fliegenbinden sowie die Ratschläge von Toni Hutterer trugen ebenfalls dazu bei, dass unser Aufenthalt an den „Traun-Rivers“ zu einem erfolgreichen und einem wirklichen Genusserlebnis wurde. Und dies obwohl Dieters heißgeliebter Schweinsbraten ab und zu mal aus war.
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